Drei Auftritte, drei Welten und ziemlich viel Kram im Auto
Drei Stationen an einem Abend
Manche Tage haben einen Auftritt. Andere offenbar gleich drei.
Gestern ging es für mich einmal quer durch den Harz und musikalisch durch ziemlich unterschiedliche Welten. Wernigerode, Ströbeck und Elend. Liedermachermusik, Punkschlager und zum Abschluss ein paar ganz besondere Lieder gemeinsam mit meinen Eltern.
Im Auto entsprechend alles, was man für drei völlig verschiedene Muggen gebrauchen kann. Gitarren, Verstärker und der übliche Kram, von dem man vorher immer glaubt, man hätte diesmal wirklich nur das Nötigste eingepackt.
Etwas Zeitdruck gehörte an diesem Abend ebenfalls zur Ausstattung.
Wernigerode: Wenn aus Zuhören plötzlich Tanzen wird
Los ging es in Wernigerode bei einem 70. Geburtstag.
Vor dem Abendessen gehörte die Bühne zunächst den Liedermachern. Mit Liedern von Bettina Wegner, Gerhard Gundermann und anderen Künstlern, die mich schon lange begleiten, entstand ein ruhiger und sehr aufmerksamer Auftakt.
Besonders schön war, dass sich das Publikum wirklich auf die Musik eingelassen hat. Und irgendwann wurde aus dem Zuhören sogar Tanzen.
Damit hatte ich nun nicht unbedingt gerechnet.
Also dachte ich mir irgendwann: Scheiß drauf. Wenn sie tanzen wollen, dann sollen sie auch etwas zum Tanzen bekommen. Also noch „Kling Klang“ und ein paar andere Schlager hinterher.
Manchmal entwickelt sich ein Auftritt eben anders als geplant. Und genau das macht ihn dann besonders.
Ströbeck: Eine Stunde Verzerrer
Danach hieß es zusammenpacken und weiter nach Ströbeck zu „Musik auf dem Dorf“.
Dort war dann ziemlich schnell Schluss mit den leisen Tönen.
Mit der Wald und Wiesenband gab es eine Stunde Punkschlager. Und nachdem die erste Mugge des Tages eher von Gitarre, Stimme und Texten getragen wurde, durfte nun der Verzerrer zeigen, warum er überhaupt mitgefahren war.
Der Wechsel hätte kaum größer sein können. Erst Gundermann und Bettina Wegner, kurze Zeit später verzerrte Gitarren und Punkschlager mit der Wald und Wiesenband.
Wolfgang Petrys „Wahnsinn“, „Griechischer Wein“ in unserer ganz eigenen Variante und noch einiges mehr. Eine Stunde lang blieb der Verzerrer praktisch an und genau das machte den Reiz aus. Laut, ein bisschen schräg und vor allem mit richtig viel Spaß.
Genau diese musikalischen Gegensätze mag ich. Auch wenn sie dafür sorgen, dass man gefühlt den halben Hausstand im Auto durch den Harz fährt.
Elend: Vier Lieder zum Schluss
Nach Ströbeck ging es weiter nach Elend zur „Letzten Runde“ in die Waldbadschenke.
Dort wurde der Abend noch einmal ganz anders.
Gemeinsam mit meinen Eltern habe ich vier Titel gespielt. Eigentlich nur ein kleiner Teil dieses langen Tages. Für mich aber wahrscheinlich der bedeutendste.
In dieser Kneipe habe ich unglaublich oft Musik gemacht. Sie gehörte zuerst meinem Opa und später meinen Eltern. Entsprechend viele Erinnerungen hängen an diesem Ort. An Abenden, Menschen, Musik und an einer Zeit, die für mich irgendwie immer ganz selbstverständlich dazugehört hat.
Nun endet dieses Kapitel.
Noch einmal dort zu stehen und gemeinsam mit meinen Eltern Musik zu machen, war deshalb etwas Besonderes. Und deutlich emotionaler, als ich vorher gedacht hatte.
Am Ende waren es drei Auftritte in Wernigerode, Ströbeck und Elend. Drei völlig verschiedene Situationen, viele Menschen, einige Kilometer und ziemlich viel Ein und Ausladen.
Zwischendurch war es etwas gehetzt. Aber im Großen und Ganzen war es ein ziemlich cooler Abend.
Liedermacher, Punkschlager und Familiengeschichte an einem Tag.
Und manchmal bleiben von drei Auftritten am Ende ausgerechnet vier Lieder besonders hängen.